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2001 · 2001

Archiv UVS Landschaft Teil 1

3) Fachbeitrag Landschaft (Teil 1)

 

Nach Darstellung des Ablaufschemas einer ökologischen
Risikoanalyse erfolgt zunächst eine Betrachtung der Ausgangssituation
(Grundlagenerfassung):

Die Waldflächen im Norden (Hurn) sowie die Agrarlandschaft
um Istrup herum sind wohnsiedlungsnaher Erholungsraum für die Bevölkerung.
Das Waldgebiet ist Teil eines regional bedeutsamen Erholungsgebietes.
Im Süden besteht das Trinkwassergewinnungsgebiet Istrup. Als Landschaftsschutzgebiete
sind das Waldgebiet Hurn, das Istruper Bachtal, der Bereich "Altes
Blomberg" nördlich der L 712 sowie der Bereich "Rosensiek"
südlich von Istrup ausgewiesen. Im Biotopkataster sind folgende schutzwürdige
Biotope erfaßt worden:

Talaue des Hainbachs zwischen Wöhren und Istrup
sowie zwischen Istrup und Königsbach,
Feldgehölz am Höltkeberg westlich von Istrup, Rosensiek und
Bocksgrund südlich von Istrup sowie
das Quelltal im Forst Hurn nordöstlich von Istrup.
Auch östlich von Istrup befinden sich größere Waldbereiche,
diese bestehen aber nur teilweise aus Buchenwäldern. Große
Flächen werden auch von Fichtenforsten sowie Aufforstungen eingenommen.
Mehrere Quellbäche, die in den Wäldern entspringen und zum Hainbach
fließen, werden von Bach-Erlen-Eschenwäldern gesäumt.
Der größte Teil des Raumes außerhalb der Wälder
und Siedlungsflächen wird intensiv landwirtschaftlich als Acker genutzt.
Das Vorkommen von Grünland beschränkt sich auf die Bachtäler,
vor allem entlang des Hainbaches.

Eine systematische Bestandsaufnahme der örtlichen
Fauna ist im Rahmen der UVS nicht erfolgt. Bei den erfaßten besonderen
Tierarten handelt es sich um Zufallsfunde.

Im Untersuchungsraum dominieren Böden, die als
hoch empfindlich einzustufen sind.. Gewässer natürlichen Ursprungs
sind der Istruper Bach und seine Nebengewässer. Bis auf wenige Ausnahmen
sind sie ausgebaut, begradigt oder verrohrt.

Flächen mit hoher Empfindlichkeit im Hinblick auf
die Regulation von Oberflächenwasser befinden sich im Waldgebiet
des Hurn und im Talsystem des Istruper Baches.

Eine systematische Bestandsaufnahme der örtlichen
Flora ist im Rahmen der UVS nicht erfolgt. Bei den nachgewiesenen besonderen
Pflanzenarten handelt es sich um Zufallsfunde. Von den Vögeln konnte
die gefährdete Dorngrasmücke an mehreren Stellen im Gebiet festgestellt
werden. Die potentiell gefährdete Reiherente kommt auf den Fischteichen
der Hainbachstraße vor. Die stark gefährdete Wachtel wurde
auf Äckern nordöstlich von Schollenberg beobachtet. Bezüglich
der Amphibien ist von einer flächendeckenden Verbreitung im Bereich
der Wälder und Bachtäler auszugehen.

Der Freiraum nördlich der L 712 ist im Gebietsentwicklungsplan
als Erholungsgebiet ausgewiesen. Erholungsanlagen sind der Sportplatz
und die Sporthalle im Süden von Istrup. Am nördlichen Ortsrand
befindet sich der Friedhof und im Wald (Steinbruch) ein Fest- und Grillplatz
mit Schutzhütte. In der Hainbachaue südlich Jerusalem existiert
ein weiterer Grillplatz.

Das Landschaftsbild wird geprägt durch den Talraum
des Istruper Baches und seine Nebentäler, den bewaldeten Eggeberg
und die nach Südwesten abfallenden Hangzonen sowie die flachwellige
Hügellandschaft mit Höltke- und Meierberg im Süden von
Istrup (Agrarlandschaft). Eine sehr hohe Empfindlichkeit besteht vor allem
im Waldgebiet Hurn sowie im Talsystem des Istruper Baches.

Die Grundlagenerfassung führte zu dem Ergebnis,
daß durchgängig konfliktfreie bzw. konfliktarme Bereiche im
untersuchten Raum überhaupt nicht existieren. Sehr hohe Raumempfindlichkeit
ist sowohl im Norden als auch im Süden von Istrup festzustellen.
Bei allen Trassenvorschlägen ergeben sich daher erhebliche Beeinträchtigungen
von Natur und Landschaft.

Als noch die erträglichste von allen ungünstigen
Lösungen wird sodann unter Umweltaspekten im Falle einer Nordumgehung
eine Trasse in enger Anlehnung an den Wald- bzw. Siedlungsrand bezeichnet,
wobei als besondere Konfliktfelder die Querung von Bachtälern, der
Waldrand nördlich von Istrup sowie erhaltenswerte Biotopstrukturen
im Westen und Osten betrachtet werden. Im Falle einer Südumgehung
erscheint als relativ konfliktärmste Lösung ebenfalls eine enge
Anlehnung an den Siedlungsbereich, wobei sich besondere Konfliktsituationen
hier bei der Querung des Istruper Baches und im Bereich der Erdpöhle
zwischen Sportanlage und Seitental ergeben sollen.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Variantenuntersuchung aus landschaftsbezogener
Sicht zeigen, daß es "die günstigste Lösung"
für eine OU Istrup nicht gibt, sondern vielmehr in Abhängigkeit
vom betrachteten Schutzgut und seiner Wertschätzung Verschiebungen
in der Rangfolge der Trassen entstehen.

Bei allen Neubauvarianten sind erhebliche Beeinträchtigungsrisiken
festzustellen. Da sich durch Optimierungsmaßnahmen (Deckelung und
Begrünung) die Nachteile der Varianten Ia bzw. I jedoch eher als
bei den anderen Varianten mindern lassen, wird Variante Ia von den Gutachtern
letztlich als das "kleinste Übel" betrachtet.

Varianten II/IIa und III folgen untereinander gleichrangig
vor den Varianten IV/IVa.

Die beste Lösung im Interesse von Natur und Landschaft
ist aus Sicht der Umweltgutachter eindeutig die Beibehaltung der derzeitigen
Situation und ein Verzicht auf den Bau einer Ortsumgehung.

© 2003 Initiativkreis Ortsumgehung Istrup

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