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2005 · 2005

LZ So foerdert man Verdrossenheit

Lippische Landeszeitung vom 14.03.2005

"So fördert man Verdrossenheit"

Istrups Ortsvorsteher lädt Bürger aus

Blomberg-Istrup (sb). Zu der ersten Dorfausschusssitzung unter seiner
Leitung hatte der neue Istruper Ortsvorsteher Jürgen Berghahn nur
ausgewählte Personen eingeladen. Das kam bei einigen Istruper Bürgern,
die ebenfalls gerne an der Sitzung teilgenommen hätten, gar nicht
gut an.

"In den vergangenen Jahren waren die Sitzungen unseres Dorfausschusses
immer öffentlich, niemand hatte etwas zu verbergen, jeder war herzlich
eingeladen", schreibt Johannes Kalhoff in einer Pressemitteilung.
Er findet es "undemokratisch und negativ für die Dorfgemeinschaft",
dass der neue Ortsvorsteher ihn und andere Interessenten ausdrücklich
zu der Sitzung ausgeladen habe und darüber hinaus mitgeteilt habe,
dass auch künftig die Dorfausschusssitzungen nichtöffentlich
sein sollten. Nur derjenige Bürger sei künftig als Zuhörer
zugelassen, von dem der Ortsvorsteher meine, er könne ein besonderes
Interesse an der Thematik des Abends haben, habe Berghahn ihm mitgeteilt,
schreibt Kalhoff: "Erst soll man sich für den Ortsteil engagieren,
dann wird man zurückgewiesen. So fördert man Verdrossenheit."
Jürgen Berghahn kann die Aufregung nicht verstehen. In der Sitzung
sei es um die Vereine vor Ort und deren Zusammenarbeit gegangen, deshalb
seien Institutionen wie die Bürgerinitiative "Ortsumgehung Istrup"
(zu der Kalhoff gehört, Anm. d. Red.), die Schule und der Kindergarten
nicht eingeladen worden. Es sei durchaus nicht so, dass künftig alle
Dorfausschusssitzung nichtöffentlich sein sollten: "Es kommt
aber auf die Schwerpunktthematik an", schränkte Berghahn ein.

Bürgermeister Klaus Geise, der vorab von der nichtöffentlichen
Sitzung informiert worden war, will sich in die Istruper Belange nicht
einmischen. "Vom Grundsatz her sollen die Sitzungen schon öffentlich
sein, aber es liegt weitestgehend in den Händen des Ortsvorstehers,
wen er zu einzelnen Sitzungen einlädt", so Geise, der auf das
Fingerspitzengefühl der Ortsvorsteher baut. Jedoch sei ein Dorfausschuss
nicht als reguläres Organ in der Kommunalverfassung verankert. Seine
Mitglieder seien als Berater des Ortsvorstehers zu sehen.

 

KOMMENTAR

Offen für alle
Von Silke Buhrmester

Auch wenn Jürgen Berghahn erst seit dem 1. Januar Ortsvorsteher
von Istrup ist, so ist er doch kein politischer Neuling. Umso unverständlicher,
dass er gleich seine erste Dorfausschusssitzung nichtöffentlich macht
und sich damit ins Zentrum der Kritik rückt.
Die Diskussion um die Ortsumgehung spaltet die Istruper. Da sollte es
erst recht Aufgabe des Ortsvorstehers sein, zu integrieren. Das funktioniert
aber nur, wenn er versucht, alle Istruper ins Boot zu holen. Wer hinter
verschlossenen Türen spricht, macht sich indes immer verdächtig.
Da geht es gar nicht darum, was besprochen wird. Was für die Kritiker
zählt, ist das Wie – eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Fingerspitzengefühl erwartet Bürgermeister Klaus Geise. Mal
sehen, ob das der Ortsvorsteher beim nächsten Mal zeigt.

Diese Daten wurden übernommen aus der
vom 14.03.2005.
© 2005 Initiativkreis Ortsumgehung Istrup

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